

Am 24.Januar organisierten Beschäftigte des Nestlé-Wasserabfüllbetriebs im Moskauer Vorort Domodedovo eine Kundgebung vor dem Hauptquartier von Nestlé Russland im Stadtzentrum. Damit forderten die Arbeiter - hauptsächlich Distributionsfahrer - die Anerkennung ihrer Gewerkschaftsorganisation und eine faire Entlohnung. Die Arbeiter kämpfen um angemessene Bezahlung von Überstunden, von denen sie zwischen zwei und acht am Tag leisten. An der Aktion beteiligten sich ca 15 Mitglieder der Betriebsorganisation der Gewerkschaft OPRTU; sie wurden von anderen OPRTU-Mitglieder aus der Ligett-Dukat-Tabakfabrik unterstützt.
Die Teilnehmer der Aktion erzählten, dass es noch vor wenigen Jahren als schick galt, bei "Nestlé Water Coolers" zu arbeiten: die Gehälter waren hoch, die Arbeitsbedingungen ok. Seither hat sich einiges geändert -sowohl der Umgang mit den Beschäftigten als auch die Arbeitsbelastung. Nur die Löhne sind gleichgeblieben und werden zügig von der Inflation aufgefressen.
Das wollten sich die Arbeiter nicht länger gefallen lassen und beschlossen, für gerechte Bezahlung von Überstunden und bessere Bedingungen zu kämpfen. Im Oktober 2009 gründeten sie ihre Gewerkschaft und versuchten, mit der Geschäftsleitung in Kontakt zu treten. Nestlé betont nach aussen hin stets seine soziale Verantwortung, den Beschäftigten in Domodedovo gegenüber entschied sich das Management jedoch für eine andere Sprache. Es begann eine regelrechte Druckkampagne mit dem Ziel, die Leute dazu zu zwingen, auf ihre gesetzlich verbrieften Rechte zu verzichten.
Die Gewerkschaftsmitglieder werden seither systematisch bei der Verteilung von Arbeitsaufgaben diskriminiert, so dass sie weder ihre Arbeit in der normalen Arbeitszeit erledigen noch den Plan erfüllen können - und das bedeutet, dass sie erheblich an Einkommen verlieren, denn ein großer Teil des Arbeitsentgelts wird in Form von Prämien für die ausgelieferten Waren bezahlt.
Das führt dazu, dass die Leute 12-14 Stunden am Tag arbeiten und dafür gerade mal 18.000 Rubel (ca. 430 Euro) im Monat bekommen -und das in Moskau, einer der teuersten Städte der Welt. Die langen Arbeitszeiten resultieren auch in Stress und Übermüdung und damit einem erhöhten Unfallrisiko.
Dem Nestlé Management scheint das alles egal zu sein. Die Beschäftigten protestierten deshalb bei klirrender Kälte mit Slogans wie "Nestlé - antigewerkschaftlichen Druck einstellen!", "Nestlé - es ist Zeit, faire Verhandlungen zu führen" und "Wir arbeiten wie Pferde, aber verdienen wie Kirchenmäuse"
Die Kundgebung bezog sich auch auf die von der Internationalen Lebensmittelgewerkschaft geführte Kampagne "Nespressure" für gewerkschaftliche Rechte bei Nestlé weltweit (siehe www.nespressure.org)
(Text frei übersetzt nach Materialien auf www.iuf.ru).
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